Stoßwellenbehandlung bei Plantarfasziitis

Vom Protokoll zur patientenorientierten Behandlung

In der Praxis begegnet man ihnen regelmäßig: Patienten, die unter einem Fersensporn leiden. Die Beschwerden sind oft leicht zu erkennen, doch eine schnelle Genesung ist keineswegs immer selbstverständlich. Selten geht es dabei nur um eine schmerzende Ferse. Es ist ein Zusammenspiel aus Belastung, Gewebekapazität und Zeit. Wie geht man nun am besten mit einem Fersensporn um, und wann entscheidet man sich für eine ergänzende Maßnahme wie die Stoßwellentherapie? Das erfahren Sie im Folgenden.

 

Wann sollte man eine Stoßwellentherapie in Betracht ziehen? 

Nach mindestens 12 Wochen Behandlung mit Aufklärung und Bewegungstherapie, wenn keine Besserung eintritt.

 

Plantarfasziitis: eine bekannte, einschneidende und hartnäckige Beschwerde

 

Plantarfasziitis, Plantarfasziopathie oder Fersensporn: drei Bezeichnungen für dasselbe bekannte Problem der plantaren Fersenschmerzen, das den Alltag, den Sport und manchmal sogar die Arbeit beeinträchtigt. Die einschneidende Beschwerde entsteht durch Überlastung beim Sport oder im Alltag durch Übergewicht1, langes Stehen oder durch die Haltung der Fuß-/Knöchelstellung oder den Gesäßmuskeltonus.

Da es sich bei der Plantarfasziopathie um eine Erkrankung der Sehnenplatte unter dem Fuß handelt, verläuft die Symptomatik häufig gemäß der Klassifikation für Sehnenerkrankungen nach Blazina2. Je länger die Beschwerden andauern, desto diffuser kann der Schmerzbereich sein.

Prognose der Plantarfasziitis

Patienten erwarten oft eine schnelle Genesung, doch die Praxis sieht leider anders aus. Die Heilung eines Fersensporns dauert in Standardfällen mehrere Monate. Und aus einer Studie von Hansen et al.3  aus dem Jahr 2018 geht sogar hervor, dass 46 Prozent der Patienten mit Fersensporn nach 10 Jahren noch immer unter Schmerzen leiden.

„Fast 50 Prozent der Patienten mit Fersensporn leiden auch nach 10 Jahren noch unter Schmerzen.“

Behandlung von Fersensporn durch Physiotherapie

 

Fallstrick bei der Behandlung von Fersensporn

Gerade weil die Plantarfasziitis so bekannt ist, besteht die Gefahr, dass die Erkrankung zu routinemäßig behandelt wird. Die Kunst besteht daher darin, das richtige Gleichgewicht zwischen Symptomlinderung, Aufklärung und einem schrittweisem Belastungsaufbau zu finden.

Physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten bei Fersensporn

 

Als Physiotherapeut stehen Ihnen mehrere Behandlungsoptionen zur Verfügung, darunter Aufklärung, Schuhberatung, Bewegungstherapie sowie ergänzende Maßnahmen wie Taping, Dry Needling und Stoßwellenbehandlung.

Aufklärung

Die Behandlung der Plantarfasziitis besteht in erster Linie aus einer guten Aufklärung Ihres Patienten. So ist es wichtig, Ihren Patienten aufzufordern, die auslösende Belastung durch eine nicht auslösende Belastung zu ersetzen. Ein NPRS-Wert von maximal 3 bei Belastung ist akzeptabel. Von diesem Punkt aus darf der Patient dann mit einem schrittweisen Aufbau beginnen.4

Empfehlungen zum Schuhwerk

Im Allgemeinen wird ein bequemer, stützender Schuh mit geringem Absatz empfohlen. Eine Studie von Reinstein aus dem Jahr 20245  rät jedoch geradezu dazu, barfuß zu gehen, da dies die intrinsische Fußmuskulatur stärken und so die Plantarfaszie unterstützen kann. Ist Ihr Patient jedoch nicht daran gewöhnt, kann dies zu anderen Verletzungen führen. Eine individuelle Beratung ist daher wichtig.

Bewegungstherapie

Die Empfehlung lautet, Ihren Patienten zunächst mindestens 12 Wochen lang (täglich) Dehnübungen und (jeden zweiten Tag) aufbauende Kraftübungen durchführen zu lassen, wobei Ihr Patient Schmerzen verspüren kann und darf. Obwohl eine Funktionsverbesserung und Schmerzlinderung nach diesen 12 Wochen durchaus möglich ist, ist der Großteil der Patienten danach noch nicht beschwerdefrei.4

Taping und Dry-Needling

Kinesiotaping kann indirekt zur Genesung beitragen, indem es die Sehnenplatte durch ein stützendes Tape direkt auf der Sehnenplatte oder ein entlastendes Tape auf den Wadenmuskeln entspannt.

Auch Dry-Needling kann lediglich indirekt zur Genesung beitragen, beispielsweise durch die Entspannung hypertoner Wadenmuskeln,  wodurch es zu einer Verringerung der Spannung auf der Sehnenplatte kommt.

Fersensporn, Plantarfasziitis, Behandlung mit Klebeband, Physiotherapie

 

Wann kommt eine Stoßwellentherapie in Betracht?

Anhaltende Beschwerden trotz mindestens 12 Wochen Aufklärung und Bewegungstherapie? Dann kann die Stoßwellentherapie eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Niederländische Föderation der medizinischen Spezialisten4  empfiehlt auf der Grundlage internationaler Literaturrecherchen maximal 3 Sitzungen mit jeweils einer Woche Pause dazwischen. Die Kombination mit Bewegungstherapie bleibt dabei wichtig.

Es ist wichtig, die Stoßwellentherapie an den jeweiligen Patienten anzupassen. Denn jeder Patient und jeder Moment ist anders. Die Frage ist also nicht nur, ob man Stoßwellen einsetzt, sondern auch, wie man sie dosiert und nachbehandelt.

„Die Frage ist also nicht nur, ob man die Stoßwellentherapie einsetzt, sondern auch, wie man sie dosiert und nachbehandelt.“

Mehr über die Stoßwellentherapie

Patientenorientierte Stoßwellentherapie bei Plantarfasziitis

 

Die Wirksamkeit der Stoßwellentherapie hängt vor allem davon ab, wie die Behandlung auf den einzelnen Patienten abgestimmt wird.

Wichtige Überlegungen bei der Festlegung Ihrer Grundparameter:

  • Welcher Applikator passt zur Gewebezone und -tiefe?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Wie gut wurde die letzte Sitzung vertragen?
  • Steigern Sie die Intensität, bleiben Sie bei der gleichen Einstellung oder passen Sie sie an?
  • Wie reizbar ist der Patient heute?

Schließlich ist es auch wichtig zu überlegen, welches Stoßwellensystem Sie am besten unterstützen kann, ohne die Konsistenz der Behandlung zu beeinträchtigen.

Behandlungsparameter auf den Patienten abstimmen

Viele Stoßwellensysteme konzentrieren sich auf Leistung, Handstücke und technische Kontrolle. Das ist wichtig, aber für Sie als Physiotherapeut ist die folgende Frage mindestens ebenso relevant: Wie hilft mir das System dabei, die richtige Behandlungsentscheidung für diesen Patienten in seiner jeweiligen Situation zu treffen?

Gerade wenn sich die Beschwerden des Patienten ändern oder er anders reagiert, als Sie erwartet hatten, kann diese Behandlungsentscheidung schwierig sein. Genau hier kann Technologie eine wertvolle Unterstützung bieten. Mit dem Patient Guided Therapy System (pGTS) hilft Ihnen der Gymna ShockMaster dabei, Konsistenz in Ihren Behandlungsplan zu bringen, ohne dabei Ihren kritischen Blick zu ersetzen.

 

Welche stosswellentherapie-Einstellung ist bei der Behandlung eines Fersensporns durch einen Physiotherapeuten zu wählen

 

software für Protokolle zur Gymna-Stosswellentherapie

 

Wie pGTS den Physiotherapeuten unterstützt

Bei der Plantarfasziopathie gibt es keine Behandlungseinstellung, die bei jedem Patienten und in jeder Sitzung gleich wirkt. Schmerzempfindlichkeit, Belastbarkeit und die Reaktion auf eine frühere Behandlung können stark variieren. Die Herausforderung besteht daher darin, ein geeignetes Ausgangsniveau zu wählen und die Behandlung sorgfältig aufzubauen.

Das Patient Guided Therapy System ist in den Gymna ShockMaster integriert. Die Software bietet hierbei praktische Unterstützung. Auf der Grundlage der gewählten Indikation und der Beurteilung des Patienten führt das System den Physiotherapeuten zu einem geeigneten Behandlungsprotokoll. Es bietet Orientierung bei der Auswahl des Applikators, des Behandlungsbereichs und der dazugehörigen Parameter. Bilder und zusätzliche Informationen unterstützen die verschiedenen Schritte der Behandlung.

Die vorgeschlagenen Einstellungen bilden stets einen Ausgangspunkt. Der Physiotherapeut kann die Intensität und andere Parameter vor oder während der Behandlung an das anpassen, was der Patient zu diesem Zeitpunkt verträgt. Bei dynamischen Protokollen können auch Daten aus früheren Sitzungen berücksichtigt werden, sodass der Verlauf der Behandlung besser nachvollziehbar ist.

pGTS übernimmt also nicht die klinische Entscheidung. Der Physiotherapeut bestimmt, welcher Ansatz für den Patienten geeignet ist, und behält die Freiheit, vom Vorschlag abzuweichen. Das System hilft vor allem dabei, Entscheidungen strukturiert und konsequent umzusetzen. So bleibt die Stoßwellentherapie Teil eines individuellen Behandlungsplans, in dem die Fachkompetenz des Physiotherapeuten im Mittelpunkt steht.

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Mehr Vertrauen in jede Stoßwellentherapie

Die Behandlung der Plantarfasziitis erfordert also eindeutig mehr als ein Standardprotokoll. Nicht nur bei der Wahl der Behandlungsmethode, sondern auch innerhalb der Behandlungsmethode selbst. Im Falle der Stoßwellentherapie kann pGTS in der Gymna ShockMaster bei dieser individuellen Anpassung helfen. So wird Ihre ergänzende Behandlung nicht zu einer automatischen Handlung, sondern zu einem begleiteten Behandlungsprozess

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FAQs

Wann beginnt man bei Plantarfasziitis mit der Stoßwellentherapie?

Wenn Sie Ihren Patienten mindestens 12 Wochen lang mit Aufklärung und Bewegungstherapie behandelt haben, aber dennoch keine Besserung eintritt, können Sie Ihre Behandlung durch eine Stoßwellentherapie ergänzen.

Wirkt die Stoßwellentherapie bei Plantarfasziitis besser als Bewegungstherapie?

Nein, die Stoßwellentherapie wirkt bei Plantarfasziitis nicht zwangsläufig besser als Bewegungstherapie. Bei Plantarfasziitis liegt die beste Wirkung gerade in der richtigen Kombination der Behandlungsmethoden. Dabei spielt die Bewegungstherapie eine große Rolle. Die Stoßwellentherapie kann eine gute Ergänzung der Behandlung darstellen, wenn der Patient nach 12 Wochen Behandlung mit Aufklärung und Bewegungstherapie noch Beschwerden hat. Die Stoßwellentherapie kann also durchaus einen Mehrwert bieten, sofern sie zum richtigen Zeitpunkt angewendet wird.

Wie viele Stoßwellenbehandlungen sind bei einer Plantarfasziitis erforderlich?

Die Niederländische Föderation der Fachärzte empfiehlt maximal 3 Sitzungen mit jeweils einer Woche Pause dazwischen. Die Kombination mit Bewegungstherapie bleibt dabei wichtig.

Kann die Stoßwellentherapie bei Plantarfasziitis mit Bewegungstherapie kombiniert werden?

Ja. Mehr noch: Es ist sogar empfehlenswert, die Stoßwellentherapie mit Bewegungstherapie zu kombinieren, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.


1  Hamstra-Wright, K. L., Huxel Bliven, K. C., Bay, R. C., & Aydemir, B. (2021). Risikofaktoren für Plantarfasziitis bei körperlich aktiven Personen: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse. Sports Health, 13(3), 296–303. https://doi.org/10.1177/1941738120970976

2  Blazina, M. E., Kerlan, R. K., Jobe, F. W., Carter, V. S. & Carlson, G. J. (1973). Springerknie. The Orthopedic Clinics of North America, 4(3), 665–678.

3  Hansen, L., Krogh, T. P., Ellingsen, T., Bolvig, L. & Fredberg, U. (2018). Langzeitprognose der Plantarfasziitis: Eine 5- bis 15-jährige Follow-up-Studie an 174 Patienten mit Ultraschalluntersuchung. Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 6(3), 2325967118757983. https://doi.org/10.1177/2325967118757983

4  Vereinigung für Sportmedizin. (2026). Plantarfasziopathie. Leitlinien-Datenbank.https://richtlijnendatabase.nl/richtlijn/fasciopathie_plantaris/startpagina_fasciopathie_plantaris.html  5  Reinstein, M., Weisman, A., & Masharawi, Y. (2024). Barfußlaufen ist vorteilhaft für Personen mit anhaltenden plantaren Fersenschmerzen vorteilhaft: Eine einfachblinde, randomisierte, kontrollierte Studie. Annals of Physical and Rehabilitation Medicine, 67(2), 101786. https://doi.org/10.1016/j.rehab.2023.101786